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Vergessenheit.

Wir standen dort, auf der Höhe des Lebens, gleich einer Horde Kriegern mit den Waffen, die wir selbst wählten auf unsere Schilde trommelnd.

Manch einer kaum stark genug, den eigen Schild hochzuhalten, dennoch so stark zusammen stehend.

Ich reiche dir die Hand, Freund, wie in alten Zeiten.

Sie begegnen sich wie früher, schlagen ein, diese Mörderhände, die hätten Königreiche zerschmettern oder sanft ein Kind wiegen können. Hände, die ihr Handwerk nie verlernt haben, zu kämpfen und zu trösten.

Wir haben einst zusammengestanden und so tun wir es auch heute.

Viel Zeit ist vergangen.

Und dennoch, Freund:

 

Ich sehe dich.

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Antiquariat

Ich sehe mich im Raum um.

Durch schmutzige Fenster scheint das Licht, gelb eingefärbt. In den Lichtbalken tanzen wie tausende winziger Lichtpunkte die Staubflocken, die solche Orte mit einer Aura von vergangenem scheinbar immer zu beherbergen pflegen. Mein Blick wandert weiter zu den Ausgestellten Gegenständen. Sie befinden sich in Regalen, die die Wände verbergen. Der Raum scheint sich sehr weit in die ferne zu meiner Rechten zu erstrecken. So weit, dass ich das Ende nicht genau sehen kann. Mein Blick wandert über viele Dinge, meiner Ansicht nach alle mehr oder weniger wertlos: Eine seltsam geformte Schere. Arterienklemme, schiesst es mir duch den Kopf. weiter rechts davon, Ein wickeltuch, wie man es für Stoffwindeln verwenden würde. Immer weiter nach rechts... Ein Dreirad. Ein Plastikball, in den man bestimmte Formen stecken kann. Direkt vor dem Regal, eine Minzgrün gestrichene Bank, von der langsam die Farbe abblättert. Eine Kurze Erinnerung an meine Urgroßmutter überkommt mich. Da müsste ich wohl 4 oder 5 Jahre alt gewesen sein... Wieder im Regal, ein kleines Döschen, wie ich es damals für meine Milchzähne benutzt habe und noch eindutzend weitere Dinge, die wohl zu dem Zeitabschnitt gehören, der für mich die frühe Kindheit bedeutet hatte. Eine Schultüte mit Froschgesicht. Nächstes Regal. Ein Zeugnisheft. Ein Drache. Fast alles wie in diesen Bilder, die scheinbar belanglos waren und die sich doch so markant in mein Gedächtnis gebrannt haben, als wären sie es gewesen. Der Testbogen. Ein kleines Buch, "Das Schiff Esperanza". Das große Küchenmesser. Daran erinnere ich mich noch zu gut. Einer von den Abenden, an denen ich wieder nicht schlafen wollte, sondern die Zeit geniessen, die ich nicht in der Schule bin. Nicht bei ihnen. Nicht mit mir selbst kämpfen musste, damit ich nicht weine, wenn sie wieder alle über mich herzogen. Ich habe es in der Hand gehabt, wollte es am nächsten Tag mitnehmen und diese kleinen Scheisser kalt machen. Ich nehme es kurz aus dem Regal. Vor meinen Augen bekommt es rostflecken und die Klinge beginnt zu zerfallen. Ich lege den traurigen Rest wieder auf das Brett zurück. Weiter. Ein Tafelstift, einer dieser dämlichen Filzschreiber, die man anstatt Kreide auf diesen hässlichen weissen Tafeln benutzt hatte. Die es nur auf der neuen Schule gab, nicht auf der alten. Daneben eine gedrehte Zigarette, ohne Filter. Die hat Chris damals immer geraucht... Mojos Brille. Immer weiter... Inzwischen bin ich den Gang ein gutes Stück weitergegangen. Langsam beginne ich zu laufen, immer schneller, gar nicht mehr weiter die Gegenstände beachtend, die immer mehr werden, genau wie die Erinnerungsfetzen aus denen sie stammen. Zweitaktmotor aus Holz, Nietenarmband, Springerstiefel, alte CDs, Silvesterraketen... Kleine Papierstücke mit wechselnden Motiven, kleine Pillen, ebenfalls wechselnde Motive. Ich mache rutschend vor einem Gegenstand halt, der aus den anderen heraussticht. Ein Konzertbändchen. Misha. Die Erinnerungen sind verschwoommen, aber wahrscheinlich werden sie nie ganz verschwinden... Verflucht. Daneben noch andere Dinge. Ein großes Messer... Koers. Ein Lolli. Alwin. Ich merke verschwommen, wie sich meine Augen mit Tränen füllen. Ob die beiden jemals verstanden haben, wie sehr sie mein Leben und mich selbst verändert haben? Eine Rasierklinge, blutverkrustet. Ich. Ein verband, auf dem man noch in getrocknetem Blut das lesen kann, was auf meinem Arm beinahe vollständig verblasst ist: Verlierer. Ich gehe jetzt langsamer, den Punkt, von dem ich gekommen bin, kann ich kaum noch erkennen. Weitere Gegenstände ziehen an mir vorbei. Noch ein Konzertbändchen, eines, das ich immer noch trage. Nadie. Diese Erinnerung Ist wohl eine von denen, die einen das ganze Leben verfolgen. Es tut immer noch weh. Sehr. Dann, meine alte Tastatur. Daneben eine kleine Stoffpuppe, ein Engel. Alessia. Das genau gegenteil zu Nadie. und immer noch ein warmes Gefühl im Bauch, wenn ich an sie denke. Ein Glas, halb voll mit irgend einem roten Zeug. Julian. Alessia. Ich kannte ihn kaum. Kurzer Schmerz. weiter. Der Brief, mit dem ich endlich meine Ausbildung hatte... Eine Schere mit abgerundeten Spitzen. Meine Kids.  Ein rotes Halstuch. Paddy. Alessia. Wieder Jemand, den ich kaum kannte und dem ich wohl bis ans Ende meines eigenen jämmerlichen Lebens den Tod wünschen werde. Schmerzen. Ein Glaskasten, ausstaffiert mit Ästen und Pflanzen. Meine Ammit. Unbewusst halte ich immer wieder nach einem Ende des Ganges ausschau. Er scheint bis in die unendlichkeit zu reichen. Die kommenden Regale scheinen leer zu sein. Stumm setze ich mich auf den Boden und warte.

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