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Türgeschichten

Der Schlüssel dreht sich mit einem leisen Scharren im Schloss. Die rostige Metalltür des Kellers begehrt kreischend auf, doch geht nach kurzem, ungeduldigen Druck auf. Der Viertelkreis im Staub des Bodens zeugt davon, dass es nicht das erste Mal ist. Die Prozedur scheint einem Mantra gleich jeden Tag wiederholt zu werden, sodass einem geübten Beobachter sicherlich aufgefallen wäre, dass das Haus nicht so unbenutzt und leer stehend ist, wie es scheint.

 

Der Schlüssel dreht sich ohne Widerstand im Schloss. Die glänzend geputzte Milchglastür öffnet sich unter dem leisen knarzen der Feder des Türschliessers. Kein einziges Pflänzchen wagt es in den geradezu sterilen Fugen des scheinbar oft benutzten Gartenweges zu wachsen. Die Prozedur scheint einem Mantra gleich jeden Tag wiederholt zu werden, sodass einem geübten Beobachter sicherlich aufgefallen wäre, dass dieses Haus kaum einen Tag im Jahr menschenleer ist, wie es scheint.

 

"Guten Morgen, die Dame" Mit einem zynischen Lächeln begrüßt er die Frau auf dem Metalltisch.

Betrachten wir sie uns näher.

Braunes Haar, normale Statur, keine Kleidung. Sie ist mit vier paar Handschellen an die seitlich verlaufenden Handläufe des Tisches gekettet. Der fachmännische Knebel im Mund sorgt dafür, dass sie nicht sprechen kann.

 

"Guten Morgen, die Damen." Mit strahlendem Lächeln begrüßt er die Frau und das Mädchen in der Küche.

Betrachten wir sie uns näher.

Beide mit blonden Haaren, beide ein wenig mollig, typische, eher unmodische Dutzend-Kleidung. Sie sitzen an einem kleinen Küchentisch, die Hausaufgaben der Tochter vor sich ausgebreitet. Beide nicken kurz, mit weiterhin konzentriertem Gesichtsausdruck.

 

"Nicht sonderlich gesprächig heute." Das widerliche Feixen scheint die Frau auf dem Tisch nur in ihrer offensichtlichen Panik zu bestärken. Mit langsamen, bedachten Bewegungen legt er auf einem Rollbaren Stahl-Kistchen verschiedene Instrumente bereit. Säge. Rippenspreizer. Arterienklemmen. Skalpell. Blechschüssel.

 

"Nicht sonderlich gesprächig heute." Ein betont falsches Auflachen wird von den beiden Arbeitenden ignoriert. Mit geübten Griffen und eher Lustlos bringt er Speiseutensilien in den nächsten Raum, offensichtlich das Esszimmer. Teller. Löffel. Gabeln. Messer. Topfuntersetzer.

 

Nachdem alles bereitsteht, zieht er einen ramponierten Stuhl zu sich heran und lässt sich seitlich am Tisch nieder. "Nun, was haben wir denn hier?" Er nimmt eines der Skalpelle zu Hand und rammt es der Frau mit einer plötzlichen Armbewegung knapp unter das Sonnengeflecht in den Bauch.

 

Nachdem sich alle am Esszimmertisch versammelt haben und das Essen bereitsteht, lässt auch er sich auf den Stuhl nieder. Mit einem großen Löffel hieft er sich die undefinierbare Masse aus auseinanderzuklamüsern.

 

Großartig. Die weichen, roten Stücke, die vor ihm liegen. Perfekt präsentiert in dem Loch, das er in den Bauch geschnitten hat. "Heute gibt es ein Festmahl." zwinkert er der Frau zu, die schon längst nicht mehr in einem Zustand war, in dem sie noch hätte zuhören können. Oder atmen.

 

Großartig. Die weichen Stücke undefinierbarer Farbe, die da vor ihm liegen. Perfekt in Harmonie mit dem grauenhaften Blümchenrand des Tellers. "Heute gibt es ein Festmahl." Er muss sich überwinden, um den sarkastischen Unterton aus der Stimme zu verbannen. Tatsächlich wird ihm sicherlich keiner einen Vorwurf machen. Vorwürfe setzen vorraus, dass der Gegenüber Interesse an dem gesagten heuchelt.

 

Nach dem Essen setzt scheinbar die Ernüchterung ein. Ein tiefes aufseufzen tut der Welt im Allgemeinen kund, dass er zumindest für heute befriedigt ist. Dennoch muss nun die Drecksarbeit getan werden. Aufräumen. Schnell das Besteck unter kaltem Wasser abgespült. Sterilität ist offensichtlich nicht seine Priorität.

 

Freizeit ist nicht jedermanns Sache.Sein Missvergnügen ist beim Blick auf die Uhr nicht mehr zu übersehen. Es gibt Menschen, zu denen offensichtlich auch er gehört, die nichts mit sich anzufangen wissen in ihrer freien Zeit. Es ist erstaunlich genug, dass die Menschen so etwas wie Langeweile erfinden konnten, doch wie ist so etwas überhaupt möglich in einer derart interessanten Welt?

 

FREIZEIT! Nichts zu tun und davon vieles. Sein offensichtliches Vergnügen wächst mit einem Blick auf die Uhr. Noch viel Zeit. Es gibt Menschen, denen schon die bloße Vorstellung behagt, Zeit damit zu verbringen, nicht unter Menschen zu sein. So scheinbar auch ihm. Eine befremdliche Entwicklung, wenn man den Menschen im Kontext zu seiner in Familienverbänden lebenden Vorfahren sieht.

 

Der Zustand ständiger Langeweile wirkt sich stark auf den Körper aus. Der Metabolismus fährt herunter. "Zeit, schlafen zu gehen. Ich muss morgen früh raus." Wiederum wird der Satz mit stiller Gleichgültigkeit aufgenommen.

 

Die meisten Menschen, die sich ungerne mit anderen umgeben, neigen dazu, ruhiger zu schlafen, wenn sie sich absolut sicher fühlen, nicht durch Zufall trotzdem jemanden sehen zu müssen. "Ein Verdauungsschläfchen ist sicher nicht verkehrt." Der einzige Unterhaltungspartner ist inzwischen seinen Vorgängern in einen Schacht gefolgt.

 

Der Moment des Erwachens ist Gefühlsmäßig von den ihm folgenden Tätigkeiten geprägt. So stark, dass die Vorfreude auf den neuen Tag und das neue Mahl sich sogar äusserlich zeigen: Euphorisches anziehen, zähneputzen und zum Auto traben. Ab in Richtung "Restaurant".

 

Der Moment des Erwachens ist gefühlsmäßig von den ihm folgenden Tätigkeiten geprägt. So stark, dass der Horror vor dem Rest des Tages sich stark in der Moral zeigt, mit der er sich nun zum Auto schleppt. Auf zu einem neuen Nachmittag in der Hölle.

 

Der Schlüssel dreht sich ohne Widerstand im Schloss. Die glänzend geputzte Milchglastür öffnet sich unter dem leisen knarzen der Feder des Türschliessers. Kein einziges Pflänzchen wagt es in den geradezu sterilen Fugen des scheinbar oft benutzten Gartenweges zu wachsen. Die Prozedur scheint einem Mantra gleich jeden Tag wiederholt zu werden, sodass einem geübten Beobachter sicherlich aufgefallen wäre, dass dieses Haus kaum einen Tag im Jahr menschenleer ist, wie es scheint.

 

Der Schlüssel dreht sich mit einem leisen Scharren im Schloss. Die rostige Metalltür des Kellers begehrt kreischend auf, doch geht nach kurzem, ungeduldigen Druck auf. Der Viertelkreis im Staub des Bodens zeugt davon, dass es nicht das erste Mal ist. Die Prozedur scheint einem Mantra gleich jeden Tag wiederholt zu werden, sodass einem geübten Beobachter sicherlich aufgefallen wäre, dass das Haus nicht so unbenutzt und leer stehend ist, wie es scheint.

 

1 Kommentar 23.4.13 21:15, kommentieren