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Fieber Teil 1

Stumm liege ich in dem weissen, viel zu sterilen Zimmer, das, das schmuddelige Ambiente alter Gebäude vermittelt. Es ist nicht sichtbar heruntergekommen, oder schm,utzig, es ist vielmehr die Stimmung, die derartige Bauten vermitteln... Mal wieder eine der seltenen Wachperioden aus dem Drogenrausch... Ich weiss nicht, wie lange ich schon hier bin, die Zeit vergeht ganz anders, wenn alle Tage gleich sind und das Lichtspiel der auf und untergehenden Sonne die einzige Abwechslung ist... Das einzig interessante sind vielleicht noch die schmalen Zeiträume, wenn mir all das über den Kopf wächst und man mich mit breiten Lederriemen und der Rosaroten Pille ans Bett fesselt. Heute ist es mal wieder soweit: Nachdem ich es geschafft hatte, mir mit den ohnehin schon bis aufs Fleisch abgekauten Fingernägeln die Arme von oen bis unten blutig zu kratzen, hiess es mal wieder: "Fixieren."
Seit unserem Autounfall sitze ich hier fest, mit den Gedanken, dass ich dich umgebracht habe... Diese Frau, die Lebenslust in Person... Ich erinnere mich an jede Einzelheit... Die langen Haare, die dir bis zur Tallie gefallen waren. Deine Augen, die in mir viel mehr sahen, als diesen komischen, villleicht nicht ganz hässlichen, schweigsamen Typen... Die in mir etwas besonderes gesehen haben... Ich habe alles an dir geliebt, habe mich dir mit Leib und Seele verschrieben... Und ich bin schuld, dass die Welt diesen wunderbaren Menschen verloren hat.
Autoagressionen nennen sie es... Aber es ist nicht einmal ein Bruchteil der Schmerzen, die ich durch deinen Verlust erleide...Und die ich mit jedem Schnitt, Kratzer oder Biss etwas leichter zu machen versuche...
Wieder einmal starre ich, auf dem Bett festgenagelt, die Decke an.
"Hallo, mein Schatz..."
Zuerst glaube ich, das Flüstern gar nicht gehört zu haben, ich blicke mich panisch im Zimmer um. Meine suchenden Augen bleiben an der durchscheinenden, im abgedunkelten Zimmer leicht leuchtenden Gestalt hängen. Unverhofft trübt sich mein Blick unter Tränen, alsich dich erkenne... Ich wende meinen Blick stumm ab. Ich höre nicht, ich spüre eher, dass du näher kommst... Als ich dich nahe bei mir weiss, sehe ich dich wieder von unten herauf an. Ich will die Hand heben, doch das Lederband um mein Handgelenk hält mich zurück. Ein liebevolles Lächeln, das ich gar nicht verdient habe, ziert deine anmutigen Züge, als du dich an den Schnallen zu schaffen machst. Nun sehe ich es ganz genau, du scheinst von innen heraus zu leuchten...
"Bist du wirklich da?"
Meine Stimme klingt für mich rauh und unwirklich... Dein duchscheinender Finger legt sich auf meine Lippen, um mich zum Schweigen zu mahnen, doch ich spüre nichts... Wieder trifft mich die Erkenntnis wie ein Hammerschlag: Du bist tot, das lässt sich niemals ändern... Kein Gefühl, als du mich küsst... Nur ein Hauch, so zart wie Schmetterlingsflügel... So leicht, dass ich im nächsten Moment schn glaube, dass ich es nie gespürt habe... Ich mache mit zittrigen Händen die anderen Schnallen auf. Als ich fertig bin, stehst du am Fenster. Es steht schon offen... Dann bist du draussen, mit lockend ausgestreckter Hand...
"Komm... Ich bringe dich hier weg..."
Ich folge dir... Knie schon auf dem Fensterbrett... Noch ein kleines bisschen...
Wie die kalte Luft an mir vorbeirauscht, merke ich gar nicht mehr... In Gedanken bin ich schon bei dir... Ich bekomme nur noch am Rande mit, wie die Messingspitzen der Umzäunung sich in meinen Rücken bohren und die Brust auf der anderen seite durchstechen...

Endlich kann ich bei dir sein...

Ich liebe dich...



(Die Zustände in dieser Geschichte haben nichts mit denen in einer wirklichen Psychiatrie gemein, sie sind frei erfunden. Das hier wurde nicht geschrieben, um eine wahre begebenheit zu formulieren, sondern nur, um den Leser zu unterhalten und vielleicht ab und an zum Nachdenken zu bewegen.)

5.7.09 15:56

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