Letztes Feedback

Meta





 

Fieber 5

Verschiedene Geräusche schlagen durch das Fenster an das Ohr. Autos. Vereinzelte Vögel. Stimmen von Menschen, jeder in seiner eigenen Realität, wie in einer Seifenblase gefangen. Jeder wie eine Ameise auf dem Misthaufen dieser Stadt herumkrabbelnd.

Die Gedanken schweifen ab, wie so oft.

Der Verstand gleich einem Zug.

Stell dir vor. Stell dir vor. Stell dir vor.

Stell dir vor, du hast Bahngleise vor dir. Sie führen paralell von einer Seite des Horizonts zur Anderen.

Jede von ihnen ist mit den Anderen duch unzählige Weichen verbunden, die sich mit jedemMoment deines Lebens neu stellen.

Der Verstand rast auf ihnen dahin, mit halsbrecherischer Geschwindigkeit.

Hin und wieder entgleist er.

Das kreischen von gequältem Metall, das auf Holz trifft.

"Ich liebe dich."

Ich spreche die Worte ehrfürchtig flüsternd aus. Sie hinterlassen den kupfrigen Geschmack von Blut auf der Zunge. Was, wenn dies alles nicht passiert wäre?

Wieder wechselt der Zug die Schiene.

Werbeplakate und Graffitis fliegen an den blinden Fenstern vorbei. Werbung für nutzloses. Sinnentleerte Parolen in schrillen Farben.

~Man kann nicht vor der Realität davonlaufen.~

Ich sitze auf dem Bett. Geräusche dringen immer noch durch das gekippte Fenster. Kippen, nicht öffnen. Die Illusion von Freiheit, jeder Politiker wäre begeistert von dieser Metapher. Wie bin ich hier hergekommen? Seit wann stehe ich schon nicht mehr am Fenster und schaue hinaus? Es ist mir nicht ganz klar, wie jedes mal, wenn ich auf den Zug springe.

Kurz erhascht man einen Blick aus einem der verdreckten Fenster auf eines der Graffitis. Geschrieben von fremder Hand, fremden Gedanken und fremden Träumen, die wir nicht einmal im Ansatz verstehen. Trotzdem geben wir ihm, wie auch jedem anderen Wort, das wir erhaschen eine eigene Bedeutung.

VERLIERER

Dieses Wort, das nur noch mehr von diesen lange brachgelegenen Erinnerungen weckt. Kurz streichen die Finger über die haardünnen Narben am Unterarm. Man kann sie fast nicht spüren. Verlierer. Niemand könnte es heute noch von den längst verblassten Narben ablesen. Ausser mir. Ich, der ich weiss, was dort geschrieben stand und steht, um mich an das zu erinnern, was ich tief in mir immer sein werde.

VERLIERER

~Scheinbar bist du wenigstens ein mal ehrlich zu dir selbst gewesen... Verlierer.~

Ich habe immer versucht, ehrlich zu sein. Lügen zu vermeiden. Alles zu vermeiden, was anderen wehtun könnte.

~Heuchelei.~

Wieder gelange ich bei der Überlegung an, wie ich zurück aufs Bett gekommen bin. Wieder verlieren sich die Gedanken.

Der Zug wechselt wieder die Gleise.

Du.

Ich habe geliebt. Auch schon früher. Ich habe es bereuht. Diesmal nicht.

VERLIERER

Wieder ein Wechsel. Eine Weiche. Ein Umbruch. Ein Zeilensprung.

Dummheiten. Silbern schimmernde Klingen.

Sprung.

Ein Ring, rotes Haar.

Sprung.

Rücken an Rücken. Freundschaft. Rot pulsierende Schmerzen, als die ersten Schläge beide zu Boden schicken.

Sprung.

Allein auf dem Bett sitzen. Der Orange Punkt der Zigarette wandert durch die Dunkelheit. Warme Tränen auf den Wangen.

Sprung.

Schelmisches Lächeln. Den Schmerz aus dem eigenen Blick verdrängen. Worte.

Sprung.

Zu zweit auf dem Bett, trotzdem Einsamkeit.

Sprung.

Umarmung im strömenden Regen.

Sprung.

Sprung.

Sprung.

Sprung....

Schwärze.

23.9.10 19:27

Letzte Einträge: Zeilensprung, Türgeschichten

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen