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Wiedergutmachung

"Du hast es wieder versaut!" Die seltsame Akkustik der Küche mit ihrem blendend weissen OP- Neonlicht verwandelte die leise gesprochenen Worte in Akkustische Peitschenhiebe.


Das war der Todesstoß. Sie blickte gebrochen zu ihm auf. Mit kühlem Blick wurde sie gemustert. Sie ließ wieder den Kopf hängen.
"Tut mir leid..." Kam es leise von ihr, als sie wie ein Geprügelter Hund einen weiteren Blick nach oben riskierte.


"Das tut es immer, aber du vergeigst es jedes mal!" Alex drehte sich und machte Anstalten wegzugehen. Raus aus der Küchentür, wahrscheinlich auf den Balkon zum Rauchen. Er hatte zwar aufgehört, aber jedes mal, wenn eine solche Situation anstand, tat er es wieder.


Sie kauerte in der Küche weiter auf den Knien, hörte noch am Rande, wie er auf den Balkon hinaustrat. Unsicher sah sie sich um, ohne ihre Umgebung wirklich wahrzunehmen. Schränke, weisse Schränke, Schubladen, der Erst Hilfe Kasten. Was sollte sie tun? Sie hatte es doch nicht so beabsichtigt. Woher sollte sie wissen, dass der Verdammte Fahrplan sich geändert hatte?


Schritt zurück.


Sie stand vor dem Fahrplan. MIST! Das neue Papier unter dem zerkratzten Kunststoff verkündete, dass der Bus nicht mehr, wie ursprünglich um 14:00, sondern um 14:20 Uhr fuhr. Verdammt. Sie würde den Zug nicht mehr bekommen. Er würde doch hoffentlich nicht böse sein...


Schritt vor.


Er hatte fast zwei Stunden warten müssen, bis sie kam. Und jetzt saß sie hier. Natürlich hatte er allen Grund, sauer zu sein. Es war ja nicht das erste mal, dass sie es verschusselt hatte.


Schritt zurück.


Er stand an der Haltestelle. Vor etwa eine Stunde hätte sie ankommen sollen. Langsam wurde er ungeduldig. Machte sich Sorgen. Wurde ärgerlich.


Schritt vor.


Zwischen übelriechende Menschen eingequetscht stand sie da, wartete darauf, dass sie endlich aus der verdammten S - Bahn steigen konnte. Hoffentlich war er nicht böse...


Bis sie daheim angekommen waren, hatte er geschwiegen. Selbst, als sie in der Küche zu heulen angefangen hatte, war er kalt geblieben, bis auf diese paar Worte. Sie wollte es irgendwie wieder gutmachen.

Musste es gutmachen. Immerhin wollte sie nicht, dass er sich schlecht fühlte. Sie war doch seine Freundin. Sie hatte doch immer wieder gesagt, dass sie alles für ihn tun würde.


Aber sie hatte mal wieder alles in den Sand gesetzt. Und jetzt waren sie nur ein paar Meter und doch Meilen voneinander entfert.


Es musste an ihr liegen.


Irgendwas an ihr machte alles falsch.


Und diesen Teil musste sie loswerden.


Weg damit!


Stumm entschlossen griff sie nach dem Griff der Schublade.

 


Auf dem Balkon nahm er einen weiteren Zug der Zigarette. Verdammt. Eigentlich wollte er ihr doch nicht so wehtun... Er erinnerte sich noch gut daran, wie sie sich lächelnd geschworen hatten, nie dem anderen wehzutun. Fuck. Was hatte er wieder angestellt?


Still blickte er in die Nacht hinaus. Der Zorn hatte sich gelegt. Eigentlich sollte er sie um Verzeihung bitten. Alles wieder in Ordnung bringen und mit ihr zusammen einschlafen. Wie immer. Arm in Arm. Das war schon immer ihr Ding gewesen. Er wollte sich gerade umdrehen und die Tür öffnen.

Sie grinste ihn an, als er herein kam. Die Augen glänzend und meilenweit entfernt.


"Ich..."


Sie lächelte ein versonnenes, weltfremdes Lächeln. Dann zeigte sie ihm die Arme, die sie bisher hinter dem Rücken gehalten hatte.


"Ich habs weggemacht. Ich habs wieder gutgemacht. Schau, ist alles weg!"


Sie grinste glücklich und fiel ihm um den Hals, nicht bemerkend, dass er vollkommen erstarrt war. Sie verschmierte in der Stürmischen Umarmung ihr Blut aus den tief geschnittenen Wunden über seinen Rücken.


"Ich hab wieder alles gut gemacht, siehst du?"


Sie lies von ihm ab und zeigte nochmals die Wunden vor. Ihm drehte sich der Mgaen um, als er teilweise Knochen durchschimmern sehen konnte.


"Alles wieder gut!"


Die lachte überschwänglich, wie ein Kind, das stoolz ein Lob erwartet.


"Alles gut!"


Sie grinste immer noch, als sie bewusstlos zu Boden fiel.

22.7.11 17:32

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maccabros / Website (22.7.11 18:49)
Grausam, gefühlvoll und lehrreich...

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