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Fieber

Fieber 5

Verschiedene Geräusche schlagen durch das Fenster an das Ohr. Autos. Vereinzelte Vögel. Stimmen von Menschen, jeder in seiner eigenen Realität, wie in einer Seifenblase gefangen. Jeder wie eine Ameise auf dem Misthaufen dieser Stadt herumkrabbelnd.

Die Gedanken schweifen ab, wie so oft.

Der Verstand gleich einem Zug.

Stell dir vor. Stell dir vor. Stell dir vor.

Stell dir vor, du hast Bahngleise vor dir. Sie führen paralell von einer Seite des Horizonts zur Anderen.

Jede von ihnen ist mit den Anderen duch unzählige Weichen verbunden, die sich mit jedemMoment deines Lebens neu stellen.

Der Verstand rast auf ihnen dahin, mit halsbrecherischer Geschwindigkeit.

Hin und wieder entgleist er.

Das kreischen von gequältem Metall, das auf Holz trifft.

"Ich liebe dich."

Ich spreche die Worte ehrfürchtig flüsternd aus. Sie hinterlassen den kupfrigen Geschmack von Blut auf der Zunge. Was, wenn dies alles nicht passiert wäre?

Wieder wechselt der Zug die Schiene.

Werbeplakate und Graffitis fliegen an den blinden Fenstern vorbei. Werbung für nutzloses. Sinnentleerte Parolen in schrillen Farben.

~Man kann nicht vor der Realität davonlaufen.~

Ich sitze auf dem Bett. Geräusche dringen immer noch durch das gekippte Fenster. Kippen, nicht öffnen. Die Illusion von Freiheit, jeder Politiker wäre begeistert von dieser Metapher. Wie bin ich hier hergekommen? Seit wann stehe ich schon nicht mehr am Fenster und schaue hinaus? Es ist mir nicht ganz klar, wie jedes mal, wenn ich auf den Zug springe.

Kurz erhascht man einen Blick aus einem der verdreckten Fenster auf eines der Graffitis. Geschrieben von fremder Hand, fremden Gedanken und fremden Träumen, die wir nicht einmal im Ansatz verstehen. Trotzdem geben wir ihm, wie auch jedem anderen Wort, das wir erhaschen eine eigene Bedeutung.

VERLIERER

Dieses Wort, das nur noch mehr von diesen lange brachgelegenen Erinnerungen weckt. Kurz streichen die Finger über die haardünnen Narben am Unterarm. Man kann sie fast nicht spüren. Verlierer. Niemand könnte es heute noch von den längst verblassten Narben ablesen. Ausser mir. Ich, der ich weiss, was dort geschrieben stand und steht, um mich an das zu erinnern, was ich tief in mir immer sein werde.

VERLIERER

~Scheinbar bist du wenigstens ein mal ehrlich zu dir selbst gewesen... Verlierer.~

Ich habe immer versucht, ehrlich zu sein. Lügen zu vermeiden. Alles zu vermeiden, was anderen wehtun könnte.

~Heuchelei.~

Wieder gelange ich bei der Überlegung an, wie ich zurück aufs Bett gekommen bin. Wieder verlieren sich die Gedanken.

Der Zug wechselt wieder die Gleise.

Du.

Ich habe geliebt. Auch schon früher. Ich habe es bereuht. Diesmal nicht.

VERLIERER

Wieder ein Wechsel. Eine Weiche. Ein Umbruch. Ein Zeilensprung.

Dummheiten. Silbern schimmernde Klingen.

Sprung.

Ein Ring, rotes Haar.

Sprung.

Rücken an Rücken. Freundschaft. Rot pulsierende Schmerzen, als die ersten Schläge beide zu Boden schicken.

Sprung.

Allein auf dem Bett sitzen. Der Orange Punkt der Zigarette wandert durch die Dunkelheit. Warme Tränen auf den Wangen.

Sprung.

Schelmisches Lächeln. Den Schmerz aus dem eigenen Blick verdrängen. Worte.

Sprung.

Zu zweit auf dem Bett, trotzdem Einsamkeit.

Sprung.

Umarmung im strömenden Regen.

Sprung.

Sprung.

Sprung.

Sprung....

Schwärze.

1 Kommentar 23.9.10 19:27, kommentieren

Fieber 4

Besuchstag. Kranke Welt trifft auf angeblich gesunde. Ich sitze in der kleinen Cafeteria der Anstalt an einem der gnadenlos hässlichen Resopaltische. Der Uhrzeiger schleicht über das Ziffernblatt. Ich habe die Hoffnung, die früher an diesen Tagen aufgekommen ist, längst aufgegeben. Mit einem freudlosen Lächeln sehe ich den noch relativ neuen „Gefangenen“ dabei zu, wie sie sich oft tränenreich von Verwandten und Freunden verabschieden. Der Kaffee ist wiederlich. Bald wird es sich auch bei denen ändern. Es werden immer weniger Besucher werden. Das hier ist keine Anstalt, sondern ein Grab. Ein Grab für die, die von der Gesellschaft als krank gelten und hier verscharrt werden. Als die letzten esucher den Raum verlassen, kommt die junge Praktikantin auf mich zu. Man muss schon sehr kaputt sein, um sich das hier auch annähernd als Job für die Zukunft vorstellen zu können.

„Kommen sie dann bitte mit, Herr-“

Herr durchgeknallt, danke auch.

Denke ich bei mir, spreche es dann aber nicht laut aus. Es macht keinen Sinn, sie dafür zu strafen, dass sie hier arbeitet.

Schweigend begleite ich sie zurück ins Zimmer. Mit einem metallischen Schnappen rastet die Tür ins Schloss ein. Ich lasse mich müde aufs Bett fallen.

~Du bist allein. ~

„Das weiss ich selbst.“

Keiner ist gekommen, Freunde, die mir wichtiger waren als meine eigene Familie. Freunde, die mich damals sogar als Bruder bezeichnet hatten. Zu gerne hätte ich sie wieder gesehen. Vielleicht nur, um ihnen zu sagen...

„ICH VERROTTE HIER DRIN, ABER KEINER VON EUCH LÄSST SICH BLICKEN!“

Panisch muss ich feststellen, dass ich die letzten Worte laut gesagt habe.

Schnelle Schritte auf dem Gang.

Korrigiere.

Geschrien.

Die Tür öffnet sich einen Spaltbreit.

„Alles in Ordnung?“

Die junge Praktikantin schiebt sich zur Tür herein, das Gesicht besorgt und, wie ich überrascht feststelle, mitleidig. Seltsam... Die Ärzte und Schwestern hier haben das wohl schon lange verloren. Zu viel Leid stumpft ab.

„Ja.“

„Sie haben geschrien.“

„Ja.“

Sie schaut mich weiterhin nachdenklich an. Sie ist viel zu empfindsam, um an einem solchen Ort zu arbeiten. Dann kommt sie näher.

„Darf ich?“

Fragt sie und setzt sich, ohne meine Antwort abzuwarten auf die Bettkante.

„Hab ich denn eine Wahl?“

„Nein.“

Antwortet sie mit einem schiefen Lächeln, das beinahe entschuldigend wirkt. Lächeln... Etwas seltenes in diesem Räumlichkeiten, wenn man vom zwanghaften Lachen der schwer Geisteskranken absieht.

„Was haben sie denn?“

Ich schüttle den Kopf. Das geht dich einen Dreck an. Gleich afuf den Gedanken macht sich Scham in mir breit. Es ist unfair, so etwas zu denken, allein schon, weil sie Mitgefühlt zeigte.

„Was ist denn?“

Ihr Tonfall ist ruhig, sie bleibt leise und lächelt sanft, wi im mich dadurch von ihrer vertrauenswürdigkeit zu überzeugen. Das ist nicht die Frage einer Angehenden Ärztin, sondern die eines Menschen, der Mitgefühl zeigt.

„Hm?“ Ich versuche, gelassen zu klingen, als ob ich nicht gerade das ganze Haus zusammengeschrien hätte.

Sie schaut mich weiterhin fragend an.

„Ich habe laut gedacht.“

„Sehr laut.“

Langsam werde ich wütend.

„Ist noch was?“

„Nein.“

„Dann wäre ich sehr froh, wenn man mich nicht weiterhin belästigen würde.“

Mein gereizter Tonfall scheint seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Sie schliesst die Türe leise hinter sich, als sie geht, nicht ohne mir einen leicht vorwurfsvollen Blick zuzuwerfen. Mitleid ist das letzte, was ich will. Ich strecke mich auf dem Bett aus. Wahrscheinlöich habe ich sie unfair behandelt. Und an sich war sie ja ganz nett.

~Soso, ganz nett.~

„Ja.“

~Ist da nicht noch etwas mehr?~

„Nein.“ Monotone Stimme.

~Willst du sie ficken?~

„Leck mich.“

~So, wie du die Kleine gefickt hast, die du allein durch deine eigene Dummheit schliesslich umgebracht hast?~

„Lass mich in Ruhe.“

~Also willst du sie ficken.~

Ich drehe mich um, will nichts mehr hören. Doch stimmen im Kopf kann man nicht mit einem Kissen ersticken.Ich will nur noch den Kopf in den Sand stecken und Schlaf finden...

Nur noch Schlaf. Nur noch Ruhe. Nur noch...

Schwärze.

4 Kommentare 10.11.09 15:56, kommentieren

Fieber Teil 3

Tick. Tick. Tick.
Die knallbunte Wanduhr mit dem Clown drauf... Ein miserabler Versuch, das allzu steril anmutende Zimmer aufzuheitern. Apathisch sehe ich dem Sekundenzeiger zu, wie er die Zeit meines Lebens in Scheiben schneidet.
Tick. Tick. Tick.
Stimmungstief? Eher nicht. Um genau zu sein fühle ich gar nichts mehr. Es kommt mir vor, als ob das Loch, das dein Verlust hinterlassen hat, alles insich aufsaugt... Keine Gefühle...
Tick. Tick. Tick.
Langsam geht mir die verdammte Kinderuhr auf die Nerven...
Tick. Tick. Tick.
Ich stehe träge auf und gehe hinüber, bis ich der bescheuerten Uhr direkt gegenüberstehe.
Tick. Tick. Tick.
Wieder in Gedanken an dich.
Tick. Tick. Tick.
~Es klingt wie ihr Herzschlag, nicht?~
"Sei still."
Tick. Tick. Tick.
Ich muss wirklich langsam den Verstand verlieren... Wer mit sich selbst redet, der kann definitiv nicht ganz richtig im Kopf sein.
Tick. Tick. Tick.
~Hätte ich ja fast vergessen... DU warst es ja, der ihr kleines, unwichtiges Herz zum Schweigen gebracht hat.~
"Sei still."
Tick. Tick. Tick.
~DU solltest besser still sein. Sonst kommt wieder die Schwester... Aber vielleicht willst du ja wieder im Drogenrausch versinken... Feige, wie du nunmal bist...~
Ich kann beinahe... Sein?... Mein?... Hämisches Grinsen spüren...
"Sei still."
Tick. Tick. Tick.
~Tic-tac-tic-tac-tic-tac... Erinnerst du dich? Und dann war es auf einmal still.~
"Sei still."
Tick. Tick. Tick.
~Sie hat gesagt, dass sie dich liebt, bevor sie abgekratzt ist.~
"Sei still."
Mit erschrecken stelle ich fest, dass meine Stimme inzwischen leise und weinerlich klingt...
Tick. Tick. Tick.
~Ah, wir werden langsam weich, was? Jaja... Merkst du endlich, dass sie dich nur beruhigen wollte? Dich mit Worten ruhigstellen, genau wie die es hier mit Pillen und Spritzen machen?~
"Sei still."
Heisse Tränen sammeln sich in meinen Augen, krampfhaft versuche ich sie wegzublinzeln.
Tick. Tick. Tick.
~Genau genommen weisst du es ja. Sie hat dich belogen, aber wem sage ich das? Sie wollte sich nur keine Vorwürfe machen, wenn sie dir die Wahrheit sagt. In wirklichkeit hat sie dich gehasst.~
"SEI STILL!"
Ruhe.
Die Hand senkt sich langsam wieder, die Plastikscherben des Uhrglases fallen klappernd zu Boden.
Ruhe.
"Ich liebe sie..."
Ruhe.
Schluchzend sacke ich auf die Knie nieder.
Ruhe.
Schnelle Schritte.
Ruhe.
Die Tür geht auf.
Ruhe.
"Fixieren."
Ruhe...


(Die Zustände in dieser Geschichte haben nichts mit denen in einer wirklichen Psychiatrie gemein, sie sind frei erfunden. Das hier wurde nicht geschrieben, um eine wahre begebenheit zu formulieren, sondern nur, um den Leser zu unterhalten und vielleicht ab und an zum Nachdenken zu bewegen.)

1 Kommentar 5.7.09 16:00, kommentieren

Fieber Teil 2

 Anmerkung: Dieser war der erste Teil von Fieber, den ch geschrieben habe. An sich sollte das ganze auch nicht fortgesetzt zu werden, aber hin und wieder geht es einfach nicht anders. Er entstand vor etwa 4-5 Jahren.

 __________

 

Zitternd schlage ich die Augen auf. Was war nochmal... Verwirrt streichen die Fingerspitzen über die Brust, doch da ist nichts. Erkenntnis. Wieder nur ein Traum. Wie könnte es auch anders sein? Hatte ich wirklich geglaubt, dei Toten könnten zurückkehren? Bin ich inzwischen wirklich verrückt? Sie kommen nicht zurück. Tatsache. Besonders nicht die, deren Körper unter einem Halbtonnenschweren Auto zerquetscht wurden, schiesst mir der Gedanke, wie von einem Fremden eingeflüstert durch den Kopf.
"Ich muss wirklich langsam den Verstand verlieren..."
Die Worte kamen unwillkürlich gemurmelt über meine Lippen.
"Lass das."
Mahne ich mich selbst, schliesslich waren Selbstgespräche ein Zeichen dafür, dass man langsam wirklich den Verstand verliert. Ich richte mich langsam und zittrig auf, während ich mit einer raschen Bewegung den kalten Schweiss von der Stirn wische. Es wäre auch zu schön gewesen. Alles im Zimmer ist wie in meinem Traum... Panisch versuche ich es nicht Halluzination zu nennen, denn das hiess, mir selbst einzugestehen, dass ich bekloppt bin. Praktischerweise bin ich nicht ans Bett gefesselt, wenigstens ein kleiner Lichtblick. Unter der Tür fällt ein Lichtbalken herein und ich höre den schlurfenden Schritt der Pflegerin hinter der Tür vorbeikommen. Du miese, alte Schlampe! Denke ich bei mir, gleich danach der etwas schnellere Schritt der Auszubildenden, die ab und an hier war. Und dahinter gleich diese beschissene, kleine Bahnhofsnutte...
"Sie machen nur ihren Job, sie meinen es nicht böse."
Sage ich laut, um mich selbst davon zu überzeugen, dass es ganz in Ordnung wäre, Personalmangel mit Morphiumspritzen auszugleichen.Irgendwo auf der Station höre ich das dämliche Gesabbel eines der älteren Patienten. Halts Maul, Opa, den anderen geht es auch nicht besser, du elender Hosenscheisser!
Agressionen waren falsch. Ich greife nach dem Hübschen Plastikglas neben dem Bett auf der Kommode, das mit Kindermotiven geschmückt ist. Runterkommen, das war jetzt wichtig. Sonst komme ich hier nie raus... Ich greife unter das Bett, zu der Schlaftablettenchachtel, die ich heimlich mitgehen habe lassen. Ich nehme ein der Pillen raus, Schlucke sie mit ein wenig Wasser. Das würde reichen, um durchzuschlafen. Traumlos, hoffentlich... Ich lehne mich ins Kissen zurück und schliesse die Augen. Lange würde es sicher nicht dauern, bis das Mistzeug wirkte. Irgendwo, wahrscheinlich aus Richtung der Station, auf der die Kinder und Jugendlichen untergebracht waren, höre ich ein anschwellendes Schreien. Ein generftes Seufzen entringht sich meinem Mund. Konnten die Bälger nicht einmal die Klappe halten? Auch Bekloppte brauchten schliesslich ihren Schlaf. Nach einer Weile drehe ich mich auf die Seite. Wie lange dauert das denn noch? Nochmal ein Griff unters Bett, nach der Schachtel. Ein Schluck Wasser und runter damit. Wieder das Gequengel von der Kinderstation. Draussen rauscht der Wind in den herbstlich blattlosen Bäumen. Unruhig rolle ich mich herum, von der einen auf die andere Seite. Eine Weile liege ich noch nachdenklich da, dann beschliesse ich nochmal drein von diesen wirkungslosen Scheissteilen zu werfen.

Schwärze.



(Die Zustände in dieser Geschichte haben nichts mit denen in einer wirklichen Psychiatrie gemein, sie sind frei erfunden. Das hier wurde nicht geschrieben, um eine wahre begebenheit zu formulieren, sondern nur, um den Leser zu unterhalten und vielleicht ab und an zum Nachdenken zu bewegen.)

5.7.09 15:59, kommentieren

Fieber Teil 1

Stumm liege ich in dem weissen, viel zu sterilen Zimmer, das, das schmuddelige Ambiente alter Gebäude vermittelt. Es ist nicht sichtbar heruntergekommen, oder schm,utzig, es ist vielmehr die Stimmung, die derartige Bauten vermitteln... Mal wieder eine der seltenen Wachperioden aus dem Drogenrausch... Ich weiss nicht, wie lange ich schon hier bin, die Zeit vergeht ganz anders, wenn alle Tage gleich sind und das Lichtspiel der auf und untergehenden Sonne die einzige Abwechslung ist... Das einzig interessante sind vielleicht noch die schmalen Zeiträume, wenn mir all das über den Kopf wächst und man mich mit breiten Lederriemen und der Rosaroten Pille ans Bett fesselt. Heute ist es mal wieder soweit: Nachdem ich es geschafft hatte, mir mit den ohnehin schon bis aufs Fleisch abgekauten Fingernägeln die Arme von oen bis unten blutig zu kratzen, hiess es mal wieder: "Fixieren."
Seit unserem Autounfall sitze ich hier fest, mit den Gedanken, dass ich dich umgebracht habe... Diese Frau, die Lebenslust in Person... Ich erinnere mich an jede Einzelheit... Die langen Haare, die dir bis zur Tallie gefallen waren. Deine Augen, die in mir viel mehr sahen, als diesen komischen, villleicht nicht ganz hässlichen, schweigsamen Typen... Die in mir etwas besonderes gesehen haben... Ich habe alles an dir geliebt, habe mich dir mit Leib und Seele verschrieben... Und ich bin schuld, dass die Welt diesen wunderbaren Menschen verloren hat.
Autoagressionen nennen sie es... Aber es ist nicht einmal ein Bruchteil der Schmerzen, die ich durch deinen Verlust erleide...Und die ich mit jedem Schnitt, Kratzer oder Biss etwas leichter zu machen versuche...
Wieder einmal starre ich, auf dem Bett festgenagelt, die Decke an.
"Hallo, mein Schatz..."
Zuerst glaube ich, das Flüstern gar nicht gehört zu haben, ich blicke mich panisch im Zimmer um. Meine suchenden Augen bleiben an der durchscheinenden, im abgedunkelten Zimmer leicht leuchtenden Gestalt hängen. Unverhofft trübt sich mein Blick unter Tränen, alsich dich erkenne... Ich wende meinen Blick stumm ab. Ich höre nicht, ich spüre eher, dass du näher kommst... Als ich dich nahe bei mir weiss, sehe ich dich wieder von unten herauf an. Ich will die Hand heben, doch das Lederband um mein Handgelenk hält mich zurück. Ein liebevolles Lächeln, das ich gar nicht verdient habe, ziert deine anmutigen Züge, als du dich an den Schnallen zu schaffen machst. Nun sehe ich es ganz genau, du scheinst von innen heraus zu leuchten...
"Bist du wirklich da?"
Meine Stimme klingt für mich rauh und unwirklich... Dein duchscheinender Finger legt sich auf meine Lippen, um mich zum Schweigen zu mahnen, doch ich spüre nichts... Wieder trifft mich die Erkenntnis wie ein Hammerschlag: Du bist tot, das lässt sich niemals ändern... Kein Gefühl, als du mich küsst... Nur ein Hauch, so zart wie Schmetterlingsflügel... So leicht, dass ich im nächsten Moment schn glaube, dass ich es nie gespürt habe... Ich mache mit zittrigen Händen die anderen Schnallen auf. Als ich fertig bin, stehst du am Fenster. Es steht schon offen... Dann bist du draussen, mit lockend ausgestreckter Hand...
"Komm... Ich bringe dich hier weg..."
Ich folge dir... Knie schon auf dem Fensterbrett... Noch ein kleines bisschen...
Wie die kalte Luft an mir vorbeirauscht, merke ich gar nicht mehr... In Gedanken bin ich schon bei dir... Ich bekomme nur noch am Rande mit, wie die Messingspitzen der Umzäunung sich in meinen Rücken bohren und die Brust auf der anderen seite durchstechen...

Endlich kann ich bei dir sein...

Ich liebe dich...



(Die Zustände in dieser Geschichte haben nichts mit denen in einer wirklichen Psychiatrie gemein, sie sind frei erfunden. Das hier wurde nicht geschrieben, um eine wahre begebenheit zu formulieren, sondern nur, um den Leser zu unterhalten und vielleicht ab und an zum Nachdenken zu bewegen.)

5.7.09 15:56, kommentieren

Fieber - Prolog

So, hier mal einer meiner ersten Arbeiten. Der Prolog kam zwar erst nachträglich zur Geschichte, aber er ist wohl wichtig, um den Rest zu verstehen.

 

Dummerweise bin ich immer noch nicht dazu gekommen, Rechtschreibfehler auszumerzen und habe, um ehrlich zu sein, auch keine Lust dazu. Wer sich berufen fühlt, darf mir gerne eine überarbeitete Version zukommen lassen.

 ____________


Glocken helles Lachen mischt sich unter die üblichen Geräusche einer Party, diesmal bei alten Bekannten. Es ist schon erstaunlich, dass wir beide es mal geschafft haben, aus unseren chaotischen Haushalt ins echte Leben zu finden. Seit langem mal wieder komplett auf gestylt. Verdammt, wie konnte ich immer mit diesen Dingern laufen? Schießt es mir ärgerlich durch den Kopf, als ich mal wieder mit den Plateaus umknicke. Ich habe ganz vergessen, wie es ist, mit dir unterwegs zu sein, wie du jedes Mal das blühende Leben warst, wenn wir unter Leute waren.

„Du siehst verdammt gut aus, Süße.“

Flüstere ich leise in dein Ohr. Ein schelmisches lächeln macht dich noch hübscher, als du ohnehin bist. Der hämmernde Bass, der die Luft in Vibration versetzt, wird wahrscheinlich in kürzester Zeit die Nachbarn auf den Plan rufen. Dicht gefolgt von der Polizei. Aber das kratzt hier zurzeit noch keinen. Gläserklirren und der steigende Alkoholspiegel macht die Leute unempfindlich für derart weltliche Störungen. Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen, die den Ort heute Abend in einem nüchternen und verhältnismäßig lebendigen zustand verlassen werden.

„Warum muss ich eigentlich immer fahren?“

Frage ich etwas resigniert und schiele nach dem nächsten Glas hochprozentigen.

„Ganz einfach: Weil ich es sage.“

Erwiderst du grinsend und nippst an deinem Glas.

„Na klasse.“

„Keine Angst, ich werd dich schon dafür entschädigen heute Nacht.“

Mit einem verheißungsvollen Lächeln nimmst du mich an der Hand und ziehst mich weiter in die Menge, auf eine Bank zu. Immer noch etwas brummelig lasse ich zu, dass du mich darauf drückst und dich auf meinen Schoß setzt.

„Versprochen, ich kümmere mich heute Nacht noch um dich...“

Ich muss schmunzeln, als ich die Worte von dir höre. Ich kenne dich nun schon lange genug, um zu wissen, dass du heute Abend, wenn wir heimkommen vollkommen groggy ins Bett fallen wirst und sofort einschlafen wirst. Aber im Grunde macht mir das wenig aus, wenn ich dich so glücklich sehe...

Der Abend vergeht. Nichts Nennenswertes außer dem einen oder anderen Typen, dem ich dafür, dass er dich falsch anschaut, mörderische Blicke zuwerfe. Die Stunden tröpfeln dahin...

Langsam verliere ich die Lust. Du selbst scheinst auch inzwischen ziemlich fertig zu sein, abgesehen davon, dass du kaum noch grade gehen kannst. Mal wieder verfluche ich die Tatsache, fahren zu müssen.

Endlich raus, aus der verrauchten Bude...

Das metallische Geräusch der zugehenden Autotüren kommt mir im ersten Moment vor, die das zuschnappen eines Sargdeckels. Ich schiebe es auf die Müdigkeit. Auf solche dämlichen Gedanken kann auch nur ich kommen. Den Zündschlüssel drehen... Und Ab, nichts wie weg und nach Hause, unterwegs nach Möglichkeit noch dafür sorgen, dass du deinen Mageninhalt bei dir behältst. Die Landstraßen zu unserem Dreckskaff, wie wir es liebevoll bezeichnen, ist um diese Zeit wie ausgestorben. Nach der nächsten Hügelkuppe müsste man schon die Straßenlaternen sehen. Licht?

Ich hasse diese verschissenen Xenonscheinwerfer.

Geht es mir noch durch den Kopf, als ich die Augen vor dem Grellen licht zusammenkneife, das uns entgegenkommt. Moment... Der ist doch auf der falschen-

Knall.

Mit einem widerlichen kreischen verformt sich Metall. Ich versuche, die alte Kiste auf der Straße zu halten, aber die Wucht reißt das Steuer gnadenlos nach rechts.

KNALL

Der Gurt drückt mir die Luft aus der Lunge, ich verliere die Orientierung, als sich die Kiste überschlägt. Irgendetwas unglaublich heißes scheint sich durch meinen Oberschenkel zu bohren. Dann ist es vorbei.

Erst nach langem blinzeln sehe ich wieder Schemen. Irgendetwas scheint mich nach rechts zu ziehen. Erst nach einer Minute wird mir klar, dass es wohl die Schwerkraft sein muss. Weiteres Blinzeln. Da, unter mir. Unter dem Wagen. Blut. Starrer Blick. Leises Flüstern.

„Ich liebe dich.“

Schwärze.

5.7.09 15:55, kommentieren